Vom Tierheim in die Familie
  • Ein guter Mensch kümmert sich um das Wohl seiner Tiere; ein böser hat kein Herz für sie.

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  • Im Gegensatz zum Menschen hat alles was der Hund macht hat seinen Grund.

  • Schau dir den Blick deines Hundes an. Kannst Du dann immer noch behaupten, er hätte keine Seele?

  • Ich habe große Achtung vor der Menschenkenntnis meines Hundes. Er ist schneller und gründlicher als ich.

Psycho

Teil 1

Tja, jetzt sitz ich hier und weiß gar nicht was ich sagen soll. Ich bin immer noch ganz baff…

Herrchen hat mir tatsächlich eine eigene Seite im Netz eingerichtet, damit ich aller Welt zeigen kann, was für ein toller Hund ich bin.

Ach so, hab vor lauter Freude und Erstaunen glatt vergessen, mich vorzustellen.

Gestatten: „Psycho de la Isla de Gran Canaria“… na ja, das war jetzt doch etwas übertrieben, eigentlich ruft man mich nur „Psycho“: Aber als echter Spanier hat man schließlich auch seinen Stolz. Genau wie meine Dosenöffnerin, die fand nämlich den Namen „Timo“, den man mir ursprünglich zugedacht hatte, doch etwas profan.

Aber halt, vielleicht sollte ich mit meiner Geschichte doch besser von vorn beginnen…

Angefangen hat alles auf Gran Canaria – irgendwann im Sommer 2000 mit meiner Geburt. Dieses Kapitel liegt jedoch vollständig im Dunkeln. Klar, werdet ihr sagen, Hundewelpen kommen schließlich blind und taub zur Welt. Aber warum das wirklich so war, werdet ihr gleich sicher besser verstehen.

Am 29. März 2001 bin ich zum ersten Mal meiner jetzigen Dosenöffnerin und Schreiberin meiner Memoiren begegnet. Die hatte nämlich einsame Waldspaziergänge satt und ging ins Duisburger Tierheim, um sich nach angemessener Begleitung umzusehen.

Ihr werdet euch jetzt sicher fragen, wie ich dorthin gekommen bin. Aber dieses Kapitel kommt erst später ans Licht, wie ihr gleich erfahren werdet…

Ich saß also in diesem Tierheim in einem Zwinger und hatte die Hoffnung schon aufgegeben, dass sich überhaupt jemand für einen so ruhigen und unscheinbaren Kerl wie mich interessieren könnte. Daher hab ich nur ganz still dagesessen und geschaut, während meine Artgenossen um mich herum ein heiden Spektakel veranstaltet haben, wenn ein Mensch die Anlage betrat.

Die Zweibeinerin kam immer weiter in meine Richtung und schien sich so gar nicht für die lautstarken Äußerungen meiner Kollegen zu interessieren. Aber dann blieb sie natürlich bei dem süßen kleinen Kerl ein paar Türen weiter stehen. Als wenn ich es nicht gewusst hätte… ich hab einfach kein Glück im Leben.

Aber was war das? Sie ging weiter und blieb doch tatsächlich vor meiner Tür stehen. Sie hat sich ganz klein gemacht, aber ich war so erschrocken, dass ich mich erst gar nicht näher herangetraut hab. Als nichts passierte, bin ich ganz langsam bis ans Gitter gegangen. Ich glaub, ihr war das ganze auch nicht geheuer. Ich konnte bei ihr ein bisschen Unsicherheit riechen, aber dann hat sie ihre Pfote durchs Gitter gesteckt und mir unter die Nase gehalten. Die schmeckte toll salzig, wie ich durch einen schnellen Schleck feststellen konnte. Sie hat mir noch ein wenig das Fell gekrault und ist dann - wie nicht anders erwartet - einfach wieder gegangen.

Am nächsten Tag kamen wieder Leute und plötzlich hatte ich einen bekannten Geruch in der Nase… die Zweibeinerin war wieder da. Diesmal hat sie mich ganz doll gepuschelt und lustige Geräusche gemacht. Aber nach einiger Zeit ist sie dann wieder aufgestanden und gegangen.

Tags darauf bekam ich schon wieder ihren Geruch in die Nase und da war sie auch schon und machte sogar die Zwingertür auf. Aha, hab ich gedacht, jetzt weiß ich was kommt… wir gehen zum Spielen mit den Kollegen. Ich wollte schon loslaufen, den Weg kannte ich schließlich, aber da wurde ich am Halsband gepackt und festgehalten bis die Zweibeinerin die Leine festgemacht hatte. Vor lauter Freude, dass es mal wieder aus dem Zwinger herausging, hab ich völlig meine gute Erziehung vergessen und sie hat mich mit einem Ruck an der Leine ermahnt, nicht so stürmisch zu sein.

Es ging aber gar nicht zu den Kollegen, plötzlich standen wir draußen und das Tor zum Tierheim fiel hinter uns zu. Je weiter wir gingen, desto verwirrter wurde ich. Alles war so neu und roch auch ganz anders. So hab ich erst gar nicht gemerkt, dass ich in diese schwankende Blechkiste bugsiert wurde.

Als dort saß und das Ding sich plötzlich bewegte, war es fast wie damals an dem Tag als ich meine alte Heimat verlassen musste. Die freundlichen Zweibeiner bei denen ich eine Zeitlang gelebt hatte, haben mich eines Tages in eine Kiste gesteckt, die noch viel kleiner war, als die in der ich jetzt saß. Stundenlang hab ich dann im Dunkeln zugebracht, bis ich wieder zurück ans Licht kam.

Aber wo war ich gelandet? Mir war so kalt wie noch nie zuvor in meinem kurzen Leben. Und wirklich toll sah es da wo man mich hingebracht hatte auch nicht aus. Jede Menge 4-beinige Kollegen, die ständig Krawall machten und kein sonniges Plätzchen, wo man gemütlich seine Siesta halten konnte. Ich war – ausgerechnet Anfang März – im Tierheim in Duisburg angekommen.

So, jetzt wisst ihr, wie ich nach Duisburg kam. Über meine Zeit auf Gran Canaria hat Frauchen nichts herausbekommen. Wie und warum ich in die Pflegefamilie zu den freundlichen Zweibeinern kam, darüber lässt sich nur spekulieren. Wer meine Narbe am Hals sieht, kann sich aber vielleicht vorstellen, dass meine Zukunft in Spanien nicht sehr rosig ausgesehen hätte ohne die netten Menschen von „ANAHI“.

Fest steht, dass ich im Oktober 2000 (vermutlich das erste Mal) Bekanntschaft mit einem Tierarzt gemacht habe. Da wurde ich gepiekt und irgendetwas unter die vielen Falten an meinem Hals geschoben. Die Menschen würden sagen, ich wurde geimpft und bekam einen Chip. Das war noch auf Gran Canaria, später in Duisburg hat man mich dann erneut geimpft und mir ein komisches Gerät an den Hals gehalten. Das war das Lesegerät für den Chip, mit dem man mich immer ganz eindeutig identifizieren kann, falls ich mal verloren gehe.

Nachdem ich in dieser Blechkiste, die die Zweibeiner Auto nennen, eine zeitlang gesessen hatte und mächtig durchgeschüttel wurde, kamen wir an einen Ort, wo ich auf ganz viele fremde Artgenossen traf. Die meisten von denen durften einfach so rein und raus laufen. Ich musste jedoch bei meiner Zweibeinerin bleiben. Die anderen Menschen dort waren alle ganz aus dem Häuschen und das alles wegen meiner Wenigkeit. Sie haben mich gekrault und geknuddelt, dass mir ganz warm ums Herz wurde.

An dem Ort gab es auch noch andere 4-Beiner. Die waren riesig und ich hatte ziemliche Angst. Frauchen hat gesagt, dass wir an einem Stall sind und die Riesenviecher seien Pferde. Sie hat auch so ein Pferd und manchmal sitzt sie sogar auf seinem Rücken. Das ist mir bis heute nicht ganz geheuer…

Später wind wir dann in den „Bau“ meiner neuen Anführerin gefahren. Ich musste natürlich erst einmal aller Welt klar machen, dass ich jetzt auch da wohne und hab schnell das neue Revier markiert.

Das fand sie nun wiederum überhaupt nicht toll und es gab ordentlich Mecker. Ich fand es allerdings sehr wichtig, dass meine neue Wohnung auch nach mir riecht. Darum hab ich die anderen beiden Samtvorhänge im Wohnzimmer auch noch angepinkelt. Wer meine Dosenöffnerin kennt, weiß wie das ausgegangen ist…

Das ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um auch mal ein paar Internas über sie loszuwerden.

Frauchen hat nämlich am gleichen Tag wie mich auch einen Zweibeiner kennen gelernt... der hat sie zwei Tage später angerufen und zum Brunch Sonntags im Schloß Styrum eingeladen. Ihr glaubt nicht, was sie daraufhin fragt, „Darf ich da noch jemanden mitbringen?“ Entsetztes Schweigen am anderen Ende der Leitung und dann ein souveränes: „Klar, ist doch kein Problem!“ Die Tante – wie mein Frauchen mittlerweile auch genannt wird – hat sich dann aber doch ganz schnell um Aufklärung bemüht. Es ging nämlich dabei um MICH!

Nach zwei Tagen konnte sie schließlich noch nicht wissen, dass man mich problemlos auch alleine zuhause lassen kann. Ich bin nämlich ein echtes Musterexemplar von einem Spanienhund. Ich kann gut alleine bleiben, ich belle nicht (wenn’s nicht nötig ist), ich bin freundlich zu allen Menschen (sofern sie keine bösen Absichten haben) und besonders zu deren Welpen. Ich will mich ja nicht selbst beweihräuchern, aber ich war ziemlich schnell stubenrein und hab schon nach kurzer Zeit Kommandos wie sitz, platz oder halt gelernt.

Darum darf ich auch fast immer ohne Leine laufen auch wenn’s verboten ist (aber nicht weitersagen). Anfangs war das natürlich nicht so. Da war immer dieses Band in der Hand meiner Dosenöffnerin. Wenn ich mal einen Satz gemacht hab, dann gab’s immer einen Ruck an meinem Hals. Dabei wär’ ich doch auch so immer wieder zurück gekommen.

Nach 2 Wochen hat sie es dann auch endlich eingesehen und ich durfte ohne diese blöde Leine laufen. Das war ein Spaß… ich bin so schnell gerannt, wie ich nur konnte. Laufen, laufen, laufen, das war alles was ich in dem Moment wollte. Als ich gemerkt hab, dass die Tante ganz schön weit zurückgeblieben ist und wohl gar nicht mit mir mithalten kann, kam auch schon ihr Pfiff. Das sollte wohl heißen, dass sie auch meinte ich hätte mich weit genug von ihr entfernt. Ich bin dann wie der Wind zu ihr zurück gerannt. Das hat ihr ganz doll imponiert, denn sie hat mir dafür sogar ein Leckerchen gegeben.

Das waren die ersten Wochen in meinem neuen Leben. Ich werde die Tante jetzt mal ganz lieb anschaun und mit der Nase stubsen, damit sie auch weiterhin bereit ist, diese elende Tipperei zu übernehmen…

Teil 2

Oh je, wenn das so weiter geht, muss Frauchen einen ganzen Roman tippen. Ich hab sie ganz lieb mit der Nase gestupst und meine Stirn in Falten gelegt, da konnte sie mal wieder nicht "NEIN" sagen und hat sofort mit der Fortsetzung begonnen...

Nach diesen ersten 14 Tagen in meinem neuen Lebensabschnitt, änderte sich plötzlich Frauchens Tagesablauf und damit auch meiner. Ich musste mitten in der Nacht aufstehen und wir fuhren mit dem Auto zum Gassi gehen. Danach gingen wir in ein Haus mit vielen Zimmern und fremden Menschen. Ständig hat sie mich ermahnt ganz brav in meiner Ecke liegen zu bleiben, wenn ich mal schauen wollte was noch so los ist.

Wir waren am Arbeitsplatz meiner Dosenöffnerin, und ich durfte mit, weil sie ihrem Chef erzählt hat, ich wäre der Hund einer kranken Freundin und könne nicht allein zuhause bleiben. Eine gute Woche ging es so weiter - morgens an die Ruhr und mittags eine Runde durch den Duisburger Innenhafen. Dazwischen Siesta im Büro, denn mittlerweile hatte ich gemerkt, dass es dort für einen Hund nichts spannendes zu sehen gibt.

Einmal hatte ich auf einem dieser Mittagsspaziergänge ein ganz übles Erlebnis... für mich jungen und arglosen Hund gab es nichts schöneres, als auf Artgenossen zu treffen. Ich bin dann immer ganz schnell hin gelaufen und wollte erschnüffeln, mit wem ich es wohl zu tun hab. So auch an jenem besagten Tag. Es war eine Hundedame, sie wedelte ganz freundlich mit der Rute und als ich Nase an Nase mit ihr war - zack, hatte ich eine Scharte auf derselben... da war ich ganz erschrocken und hab schnell das Weite gesucht, bis die Tante mich zurückgerufen hat.

Eines Mittags änderte sich dann wieder etwas. Frauchen meinte, da ich eh die meiste Zeit verpenne, könnte ich das wohl auch in ihrem Auto tun. Ich empfand das als ganz angenehm, weil man da nicht ständig gestört wurde. Ausserdem gab es von ihr jedesmal ein Leckerchen, wenn sie mich dann wieder herausgeholt hat. Das war besonders toll.

Nachdem ich abends schon ein paar mal ganz allein in der Wohnung geblieben war, ohne großartig etwas anzustellen, hat meine Dosenöffnerin beschlossen, dass ich in der Wohnung des Zweibeiners - den sie ja zeitgleich mit mir kennen gelernt hatte - tagsüber ganz gut aufgehoben wäre. Morgens gingen wir dann alle zusammen Gassi und mittags kam immer einer von den beiden, um mich zu bespassen.

Das Leben war herrlich, endlich hatte ich in einem Rudel meinen - wenn auch bescheidenen - Platz gefunden. Aber dann fing alles an, aus dem Ruder zu gleiten... manchmal hatte ich dolle Bauchschmerzen und musste dann auch sofort ein Häufchen machen. Da wurden die beiden Zweibeiner ganz böse und haben mich geschüttelt und angemeckert, weil ich doch sonst sowas nicht mache. Es ging mal besser, mal schlechter und irgendwann war es so schlimm, dass jedes Futter sofort auf dem einen oder anderen Wege sofort wieder herauskam.

Frauchen hat mich dann zu einer Tierärztin gebracht, die hat mich mal wieder mit so einem spitzen Ding gepiekt und ich bekam jetzt jeden Abend etwas in mein Essen gerührt. Da ging es mir eine ganze Zeit wieder besser. Besonders das leckere Essen in dieser Zeit hat mir gut gefallen. Der Tante wohl weniger, die hat nämlich beim Kochen immer das Gesicht verzogen. Irgendwann schmeckte mein Futter nicht mehr nach diesem Pulver und gleichzeitig bekam ich wieder Bauchschmerzen. Diesmal ging alles viel schneller... ich wurde wieder zu dieser Tierärztin gebracht, bekam wieder ein paar Spritzen und, was das schlimmste war, an diesem Tag nichts mehr zu essen.

Dann gab es wieder eine Zeitlang dieses Zeug im Essen und mir ging es etwas besser. Ich hatte nur ständig Durst und musste darum auch öfter mal Pipi machen. Zur großen Verärgerung meiner beiden Dosenöffner meist in der Wohnung. Ohne das Mittel im Futter bekam ich sofort wieder Durchfall und nachdem ich Frauchens Wohnzimmerteppich schon ziemlich ruiniert hatte, hat sie mich zu einem anderen Tierarzt mitgenommen.

Da wurde dann jede Menge mit mir angestellt... ich wurde wieder mit spitzen Nadeln gepiekt, nur diesmal wurde mir damit Blut abgezapft. Der Arzt hat sogar einen dünnen Plastikschlauch in meinen Schniepel geschoben um an meinen Urin zu kommen. Ich war die ganze Zeit über sehr tapfer und überhaupt nicht böse, auch wenn mir das alles extrem unangenehm war und ich viel lieber schnell weggelaufen wäre.

Der Tierarzt hat dann festgestellt, dass ich eine Bauspeicheldrüsenentzündung habe. Das kommt von meiner Verwandschaft mit einem Deutschen Schäferhund, die ich aufgrund meines Aussehens wohl auch nicht verleugnen kann. Ich bekam dann einige Zeit ein Spezialfutter und Tabletten vom Tierarzt. Ausserdem hat er empfohlen, meine Ernährung auf Getreideflocken mit etwas Hüttenkäse und ein fettarmes Trockenfutter umzustellen.

Ich habe da schon wieder großes Glück gehabt, denn wenn Frauchen den Tierarzt nicht gewechselt hätte, säße ich jetzt bestimmt im Hundehimmel. Die Entzündung konnte nämlich noch so grade eben mit diesen Tabletten, strenger Diät und Leinenzwang behandelt werden. Das letzte war für mich eigentlich das schlimmste, denn ich konnte nun nicht mehr unbeobachtet an allem möglichen herumlecken.

Nach 4 Wochen war es dann überstanden, der Tierarzt hat noch einmal Blut und Urin untersucht und meinen beiden Zweibeinern mitgeteilt, dass ich nun wieder völlig gesund wäre. Nur gegen die Würmer in mir müsste man jetzt noch etwas tun, nachdem sich die Darmflora wieder regeneriert hätte. Also, noch mal ein paar Tabletten schlucken, die hat die Tante aber mit Leberwurst getarnt, so daß ich davon gar nix gemerkt habe.

Nach diesen turbulenten Wochen verläuft mein Leben für eine ganze Weile in viel ruhigeren Bahnen. Wie's weiter geht und welche aufregenden Dinge mir sonst noch so widerfahren sind... ihr werdet es hier bestimmt bald lesen können.

Teil 3

Oh Grauss! So sauer und ärgerlich habe ich meine beiden Zweibeiner ja noch nie erlebt. Mein Herrchen schäumt vor Wut und die Tante (mein Frauchen) versucht, ihn zu beruhigen. Jetzt Muss ich doch gleich mal schauen was da los ist.

Also - Wenn ich das richtig verstanden habe ist folgendes passiert.

Meine beiden Zweibeiner haben Kontakt zu Anita Kruk (der Übersetzerin von ANAHI aus den Niederlanden) bekommen und die hat bei Stella auf Gran Canaria nachgefragt ob da jemand was aus meiner Jugendzeit weiss. Anhand meiner Chipnummer konnte das Geheimnis meiner Jugend tatsächlich aufgedeckt werden.

Ich muss euch sagen... Das war wirklich nicht lustig. So wie man meinen beiden Zweibeinern sagte habe ich mit jemandem auf der “Wanderschaft” gelebt. Na ja - gelebt ist wohl noch sehr übertrieben. Einige andere Zweibeiner auf Gran Canaria haben aus Mitleid die Leute von ANAHI informiert. Die haben dann versucht, mit dem Kerl zu reden, der mich immer nur verprügelt hat. Aber der Typ wollte nichts davon wissen. Als die Quälereien immer schlimmer wurden und ich schon fast im Hundehimmel war, hat man mich einfach in einer “Nacht und Nebelaktion” gerettet. Die Leute von ANAHI sind dann auch sofort mit mir zum Tierarzt gefahren wo ich endlich versorgt wurde.

Ich glaube, das muss das Foto sein worüber sich meine lieben Zweibeiner geärgert haben. Ich kann’s verstehen.... Ihr auch?

Nachdem ich mich bei ANAHI etwas erholt hatte kam ich nach Deutschland wo mich meine Dosenöffnerin gefunden hat. Aber die Geschichte kennt ihr ja schon.

So - Für mehr habe ich im Moment keine Zeit. Ich muss jetzt ganz schnell meine beiden Zweibeiner ablecken - das besänftigt sie am schnellsten.

Natürlich auch einen dollen Nasenschleck für Anita, Stella und den ganzen Rest der mir geholfen hat!

Teil 4

Hört, hört!!! Frauchen hat sich mal wieder dran gegeben und meine Memoiren fortgesetzt...

Nachdem ich ja nun wieder vollständig gesund war und ein geregeltes Leben führen durfte, brach eines Tages bei meinen Dosenöffnern operative Hektik aus. Große Behältnisse mit Ihrem Fellersatz wurden gepackt, meine Futtervorräte und sogar mein Spielzeug wanderten in eine große Tasche. Aber ich war auf der Hut, mir konnte so schnell keiner entwischen... hab mich die ganze Zeit möglichst in der Diele aufgehalten, wo sie beide immer wieder an mir vorbei mussten. Immer die Ausgangstür im Auge und die Rute dicht am Körper, damit ich nicht plötzlich aussehe wie ein Biber...

Zum Schluss wanderten die Koffer, Taschen und sogar mein Körbchen getragen vom Onkel aus der Wohnung. Ich war gezwungen auf meinem Zweitkissen zu nächtigen, aber diese Nacht war ohnehin sehr kurz. Ich hatte grade mal wieder für einen Moment die Augen zugemacht, da wurde ich auch schon geweckt. Noch nicht ganz fertig gereckt und gestreckt, ging's ohne Frühstück los in den Park gegenüber.

Nachdem ich da noch schnell jeden Grashalm markiert hatte, fand Frauchen, dass es Zeit für uns wäre endlich ins Auto zu steigen. Der Onkel hat da nämlich schon ganz ungeduldig auf uns gewartet. Dann sind wir losgefahren, weitergefahren und immer noch gefahren. Stundenlang dieses Geschaukel, das hält der resistenteste Hundemagen nicht aus... Irgendwann haben wir dann mal kurz gehalten und ich durfte auch mal gucken, wo wir so hingeraten sind. Das passierte dann noch ein paar mal, bis wir scheinbar da angekommen waren, wo meine Dosenöffner hin wollten. Die ganzen Klamotten wurden ausgeladen und zum guten Schluss durften mein Körbchen und ich auch aussteigen...

... da lag dieser Geruch in der Luft, den man schon unterwegs immer deutlicher wahrnehmen konnte. Diesen Duft kannte ich schon aus meiner Zeit auf Gran Canaria - es roch nach Meer! Herrchen und Frauchen machten Urlaub und hatten mich mit nach Sylt genommen. Wir wohnten in einem komischen Bau durch den immer der Wind wehte und man alles viel besser hören und riechen konnte als zuhause. Es soll sich dabei um einen Wohnwagen mit Vorzelt gehandelt haben, aber mir war's egal... ich hatte ja mein Körbchen und den ganzen Tag FRISCHE Luft.

Das war eine herrliche Zeit, jeden Tag mit meinen Dosenöffnern unterwegs am Strand, Frisbee’s verbuddeln, Stöcke aus dem Wasser holen (aber nur wenn die Wellen nicht zu hoch waren) oder in der Heide Hasen jagen. Hasen sind toll, im Gegensatz zu Kaninchen, die laufen so schön grade aus und schlagen keine blöden Haken. Eigentlich ist Heide auf Sylt ja PFUI, aber da ich ja sonst immer ganz brav auf dem Weg bleibe, haben meine Dosenöffner wohl beide Augen zugedrückt und mal so getan, als ob sie’s gar nicht bemerkt hätten ;-)

Leider geht so ein Urlaub immer viel zu schnell vorbei... nach 10 Tagen wurde schon wieder alles – ich eingeschlossen – ins Auto verfrachtet und ab ging’s... nach Hause, wie sich ein paar Stunden später herausstellte. Das mir das nicht gefallen hat, hab ich Onkel und Tante aber genau spüren lassen. Beim ersten Gassi gehen, am nächsten Morgen hab ich so getan, als wenn ich überhaupt nicht mehr aus der Tür wollte und im Park hab ich dann ganz desinteressiert geguckt.

Hat aber alles nix genutzt... wir blieben zuhause und das Leben ging für viele weitere Monate seinen gewohnten Gang.

Im Jahr darauf sind wir sogar 2 x nach Sylt gefahren. Das erste Mal waren wir schon Mitte März in Hörnum. Da kann man fast noch schöner durch die Heide laufen als in Kampen. Außerdem haben Tante und Onkel ständig betont, was sie doch für ein Glück mit dem Wetter hätten. Ende September waren wir dann noch mal für 2 Wochen auf dem Camping-Platz. Da sind dann Hofkatze und Zappience mit Ihrem Hund zu Besuch gekommen.

Mogwai den alten Stänkerer hatte ich schon vorher bei einigen Grill-Events kennen gelernt. Bei diesen Treffen am Uni-Rondell in Duisburg habe ich sein Macho-Gehabe ja noch ignoriert, da ich da nicht zu Hause war und mich außerdem nicht mit kleineren Artgenossen anlege.

Aber auf MEINEM Camping-Platz konnte ich mir das ja schlecht den ganzen Abend bieten lassen. Irgendwann hat dieser kleine Strubbel doch tatsächlich nach mir geschnappt... da bin ich förmlich ausgerastet. Hab ihn ordentlich gezwickt und geschüttelt, irgendwann lag er an der Erde und hat sich ergeben. Die Dosenöffnerschar war danach ganz aufgeregt, aber das sind glücklicherweise alles Leute mit Hundeverstand. Eigentlich ist Mog mit einem Kratzer am Ohr und einem Piekser im Nacken noch ganz glimpflich davon gekommen und die Wunden sind, dank Hofkatze’s Hausapotheke, auch schnell wieder verheilt. Als später noch Lylli und der Doc kamen ging’s ihm schon wieder gut und er hat sich in seiner Sänfte durch die Gegend fahren lassen.

Seit dieser Zeit ignorieren wir einander geflissentlich und bewahren größtmögliche Distanz zwischen uns. Wobei ich manchmal den Eindruck habe, unsere Frauchen sind da nicht ganz unbeteiligt dran.

Das war besonders an Silvester immer wieder festzustellen... da hatten meine Dosenöffner nämlich zu einer kleinen gemütlichen Silvesterparty mit stundenlangem Raclette-Essen eingeladen. Irgendwie haben es Hofkatze und die Tante geschafft, dass trotz der vielen Leckerchen auf dem Tisch, immer mindestens 10 Meter zwischen uns lagen. Diese Leckerchen fielen aber ziemlich gerecht mal auf der einen, mal auf der anderen Seite des Tisches runter, so dass sich niemand benachteiligt fühlen konnte

Seit einiger Zeit haben Herrchen und Frauchen ein neues Hobby. Sind abends ständig unterwegs und wenn sie dann wieder kommen, riechen sie oft nach fremden Menschen und Häusern... Ein paar Mal durfte ich auch dabei sein. Waren einige schöne Gärten dabei, einer duftete ganz doll nach Katze und die Wiese war schön groß, da konnte man richtig rennen.

Katzen find ich toll, nur die meisten Katzen mögen mich nicht. Dabei würd ich immer sooooo gerne mit denen spielen, ehrlich! Die Schwester vom Onkel hatte auch einen Kater, der war cool, hat sich durch mich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sogar sein Futter durfte ich haben... nur spielen wollte der auch nicht mit mir und das hat er mir ganz unmissverständlich mit einem Hieb auf die Nase klar gemacht.... das hat gesessen!

Teil 5

Ein freundliches "Wuff" allen, die gelegentlich hier vorbeischauen. Frauchen hat sich mal wieder erbarmt und meine neuesten Geschichten aufgeschrieben...

Nachdem wir ja lange Zeit durch fremde Häuser und Gärten getourt sind, mussten wir uns zwischenzeitlich auch mal wieder an diesem tollen Ort mit viiiieeel Sand und salzigem Wasser und Heide soweit das Auge reicht, erholen. Wer uns näher kennt, weiss sicher sofort, dass wir auf Sylt waren... ;-)

Kurz nach dem Urlaub sind meine Dosenöffner mal nach Hause gekommen und haben nach diesem schrecklichen Tierheim gerochen, wo ich hergekommen bin. Ein paar Tage später wurde ich dann im Auto ebenfalls dahin mitgenommen. Man war das beunruhigend, ich hab mich nicht sehr wohl gefühlt in meiner Haut - wie ihr euch sicher vorstellen könnt...

Aber wir sind nur 'ne Runde Gassi gegangen und dann ist Frauchen alleine hineingegangen. Da war ich im Auto doch besser aufgehoben. Das hat sich noch ein paar mal wiederholt, aber scheinbar hatte sich dann das Interesse an diesem unschönen Ort wieder gelegt.

Die Tante hat mir hinterher erklärt, dass man auf der Suche nach einer Freundin für mich auf ein hübsches Mädel gestossen war. Leider handelte es sich bei dieser Artgenossin um einen sogenannten Anlage 1 Hund. Obwohl Sie die beste Erziehung genossen hatte und vermutlich der zweitbeste Hund der Welt geworden wäre, waren meine Dosenöffner nicht bereit sich dem Amtsschimmel zu beugen und ihr Innerstes nach Aussen zu krempeln, nur um einem Hund aus dem Tierheim ein besseres Zuhause bieten zu dürfen.

Irgendwann im Sommer haben wir dann einen gaaaaanz weiten Ausflug gemacht...

Der Onkel, die Tante und meiner einer sind mit dem Auto nach Schloß Holte Stukenbrock gefahren und: "Schreck lass nach" mit mir in ein Haus gegangen in dem schon ein ganzes Rudel meiner Artgenossen lebte, die mir schon vor der Tür unmissverständlich zu verstehen gegeben haben, wer da wohnt und wer der Chef ist.

Zu diesem Rudel gehörte auch eine total blöde Zicke, kaum trocken hinter den Ohren aber schon Krawall machen... aber war mir eh egal, denn der eine Kollege duftete wieder so schön - nich nach ihm und nich nach ihr -. Genau wie Max und Spike, die ich von zuhause kenne. Da konnte man fein mit toben, wenn sich nur nicht immer dieses Weibsbild eingemischt hätte. Mir haben hinterher richtig die Ohren weh getan von ihrem Gequietsche.

Vier Wochen später sind wir wieder zu diesen freundlichen Leuten mit dem netten Kollegen gefahren. Aber ihr glaubt gar nicht was dann passiert ist...

Als wir nach etlichen Stunden, die ich mit dem Kollegen tobend im Garten zugebracht hatte, wieder zum Auto gingen, da kam diese pubertierende Hündin auch mit. Ich war grade eingestiegen, da wurde "Madame" ebenfalls ins Auto gehoben. War sicher zu dämlich, um selbst einzusteigen das Weibsvolk ;-)

Unterwegs hab ich dann schon gemerkt, dass sie eigentlich mehr Angst als Vaterlandsliebe hatte - wie man so schön sagt. Klar, erst aus dem Tierheim in Spanien hierher, ein paar Tage bei den netten Weisheit's zur Pflege, dann eine gute Woche bei anderen fremden Menschen. Da wurde dann aber jemand durch sie krank, also wieder zurück zu den Weisheit's und den freundlichen Artgenossen. Und jetzt schon wieder mit fremden Menschen unterwegs in eine total ungewisse Zukunft, da kann einem schon ganz schön bang werden.

Hat mir beinahe leid getan das arme Würmchen, aber nur beinahe, denn ich war viel zu sehr damit beschäftigt, mich selbst zu bemitleiden... was hatten mir meine Menschen da angetan, hatten die mich etwa nicht mehr lieb???

Die ersten Tage zuhause hab ich die Kleine dann auch ganz deutlich spüren lassen, wer die Nr. 1 im Haus ist. Mein Futter wegessen wollen oder versuchen in MEINEM Körbchen zu liegen, tse!!! Aber manchmal machte Chabuta, wie das Mädel ursprünglich gerufen wurde, einen so verlassenen und hilflosen Eindruck, da bin ich dann auch mal etwas bei ihr liegen geblieben und hab sie getröstet.

Wie ihr ja schon gelesen habt, hatte "CHAKA" - wie meine kleine Freundin nun heisst - ein ähnliches Schicksal wie ich.

Ihr scheint es in ihren ersten Lebensmonaten etwas besser ergangen zu sein. Wurde dann aber doch irgendwie lästig und landete auf Fuerteventura im Tierheim. Dort fanden sie die Leute von der Tierhilfe Fuerteventura, machten ein Foto von ihr und setzten dieses ins Internet, damit sich vielleicht in Deutschland nette und verständnisvolle Menschen finden, die kein Problem mit einem gestromten Hund haben.

Tatsächlich haben sich dann Leute gefunden, die Chabuta (aka CHAKA) toll fanden und unbedingt haben wollten. So wurde sie dann nach Deutschland "verfrachtet". Wie's ihr da erging konntet ihr ja schon lesen...

Nun ist Chaka also in meinem kleinen Rudel gelandet und hat uns alle gaaaaanz schön Nerven gekostet und unsere Dosenöffner manchmal an den Rand der Verzweiflung getrieben mit dem Unsinn, den sie ständig angestellt hat. Ausserdem ist sie noch mehr Podenco als meiner einer, putzt sich und ist genau so schnell beleidigt wie eine Katze. Ein Verhalten, das den Podis ja auch immer nachgesagt wird. Chaka jagt ausserdem für ihr Leben gern Federvieh und natürlich auch sonst alles was vor ihr wegrennt. Aber wehe es bietet ihr jemand die Stirn, wie die Damhirsche im Kaisergarten neulich oder die Altschwäne am Toepper-See...

Aber halt, da erzähl ich ja schon Geschichten, die gehören noch gar nicht hierhin.

Teil 6

Ganz lieb hab ich Frauchen angestubst, damit Sie mal wieder was schreibt...

Wie Chaka die olle Tratsche ja schon angedeutet hat, war ich eine ganze Weile nicht besonders gut zu Fuss. Ich musste ständig mit einem Schuh herumlaufen, fast wie die Dosenöffner. Ausserdem sind die dauernd mit mir zum Tierarzt gefahren und dann wurde an meiner Hinterpfote „rumgedoktert“. Ein Gutes hatten diese Tierarztbesuche jedoch... hinterher gab es von der netten Helferin immer ein Lecker.

Da Hunde nur an den Pfoten schwitzen können, war dieser blöde Schuh den Sommer über natürlich kaum zum aushalten. Vor allem dieser Geruch... PUH! Noch schlimmer war, dass Herrchen und Frauchen nicht ein einziges Mal mit uns an den See oder an den Rhein gegangen sind. Der entzündete Zeh dürfe nicht nass werden...

Einmal sind wir morgens wieder zum Tierarzt, der hat mich wieder mit so einer fiesen Spritze gepikst und dann wurde auf einmal alles Dunkel...

...als ich wieder aufwachte, tat mir der Fuss ziemlich weh, aber Frauchen war da und als wir gingen, gab es von der lieben Sandra wie immer ein Leckerchen zum Abschied.

Irgendwie fühlte sich meine Pfote, selbst mit dem dicken Verband und dem Schuh den ich trug, anders an als sonst. Nach gut 6 Wochen konnte ich dann auch endlich sehen, was mit meinem Hinterfuss passiert war... es fehlte ein Zeh. Es lief sich irgendwie komisch auf 3 Zehen, aber es tat nichts mehr weh, nur etwas empfindlich an den Sohlen war ich in den ersten Tagen. Das hat sich aber sehr schnell gegeben.

Heute laufe ich mit der Pfote wie mit den anderen auch.

Ein paar Monate nachdem ich wieder genesen war, fingen die Dosenöffner an die Koffer zu packen. Ich habe – wie immer – Posten im Hausflur bezogen, damit mich bloss keiner Zuhause vergisst. Chaka machen solche Situationen immer noch Angst. Ich habe ihr gesagt, sie soll einfach immer in meiner Nähe bleiben, dann wäre alles in Ordnung und ihr könnte nichts passieren. Da war sie dann beruhigt und ist nicht von meiner Seite gewichen.

Wir sind mal wieder mitten in der Nacht los. Die Fahrt war diesmal aber ganz schön lang... als wir anhielten, waren wir in einem kleinen Städtchen gelandet. Tante und Onkel schien es da gefallen zu haben, aber wir mussten an der Leine durch die Strassen laufen und das ist etwas, das gefällt weder Chaka noch mir. Aber wir blieben nicht an diesem Ort, die Fahrt ging weiter. Das nächste Mal hielten wir auf einem Parkplatz und ich konnte das Meer riechen. Glücklicherweise war grade mal das Wetter wieder schön und wir sind durch die Dünen zum Strand gelaufen, wo wir toben durften.

Leider fing es nach kurzer Zeit wieder an wie aus Kübeln zu schütten und sind zurück in das Auto geflüchtet, dort gab es für alle eine Kleinigkeit zu essen. Aber selbst als der Regen wieder aufgehört hatte, machten Frauchen und Herrchen keine Anstalten endlich unsere Betten und ihr Gepäck auszuladen. Nein, wieder ging es weiter...

irgendwann kamen wir dann an einen Ort, da standen jede Menge Dosenöffnerbehausungen. In eines davon sind wir dann eingezogen, wie in jedem Urlaub durften Chaka und ich wieder im Wohnzimmer schlafen, was uns besonders gefällt Es war aber auch so ein schönes grosses Haus mit einer eingezäunten Terrasse auf zwei Seiten. Ich hab mich auf die Hinterpfoten gestellt und mir über das Geländer hinweg erst mal ein Bild von der Umgebung gemacht. Chaka wollte sich alles wohl genauer betrachten und ist kurzerhand über den Zaun gesprungen. Das fanden die Dosenöffner aber nicht besonders toll und sie bekam ziemlich Mecker. Danach hat sie sich dann auch mit der Aussicht über den Zaun begnügt...

Herrchen hat mir erklärt, dass wir diesmal in Dänemark sind, das Meer wäre aber das gleiche wie auf Sylt. Vor unserem Haus war eine grosse Wiese und dahinter lag ein noch grösserer See, an dem wir immer entlang gelaufen sind bis zu den Dünen und dahinter lag dann der Strand und das Meer. Hier durften wir überall frei laufen, toben und Löcher buddeln. Chaka musste ihre Nase in jedes Erdloch stecken, das auf dem Weg lag und hat am Strand alles was irgendwie essbar schien weggeschleppt. Davon waren Onkel und Tante allerdings nicht sehr begeistert, dauernd hörte ich ihr „Pfui Chaka!“

Nach 14 Tagen wurden leider wieder alle Sachen ins Auto gepackt - auch der schönste Urlaub ist irgendwann vorbei - und wir fuhren nach hause...

Teil 7

Jetzt sind die Dosenöffner völlig dem Wahnsinn (Anm. der Verfasserin: gemeint ist der „gemeine Tierschutzvirus“) anheim gefallen... aber alles der Reihe nach.

Gestern sind wir mit dem Auto von Frauchen los und eine ganze Zeit gefahren, bis wir auf einem Parkplatz, direkt unter der großen Straße von der wir gekommen sind, angehalten haben. Da durften wir dann aussteigen. Man was war es da laut und es roch total uninteressant und nach einiger Zeit war Chaka und mir ganz schön langweilig. Aber wir mussten da warten und sind erst nach fast 2 Stunden wieder weg gefahren... die Tante schien zum Ende hin auch ziemlich genervt zu sein, genau wie wir.

Doch was soll ich euch sagen, es ging nur ein ganz kurzes Stück von diesem Parkplatz weg, da haben wir schon wieder auf einem Parkplatz gehalten. Wir durften dort auch wieder aussteigen und haben eine ziemlich zickige Hündin getroffen. Das schlimmste kommt aber noch... nachdem wir uns ein wenig beschnüffelt hatten (na ja, die Zicke hat sich ziemlich angestellt, als ich genau wissen wollte, mit wem ich es zu tun habe) wurde Nova (so heißt die „Dame“) in Frauchens Auto gehoben und wir sollten auch einsteigen. Dann ging die Klappe zu und wir sind alle 3 Hunde mit unserer Dosenöffnerin weggefahren.

Chaka und ich wissen ja was sich gehört und haben uns einen Platz zum hinlegen gesucht, aber Nova hat die ganze Zeit gesessen und aus dem Fenster geschaut. Ich glaub, ihr war schon etwas komisch zumute, weil sie sicher gar nicht wusste was nun wieder mit ihr passiert...

Bei Nova ist es wie bei Chaka, als sie damals zu uns kam, zwar etwas nervig, aber ansonsten als Hundekumpel ganz OK. Sie streitet nicht ums Futter, doch sie durfte die ganze Nacht im Schlafzimmer schlafen... das hätten wir uns mal wagen sollen.

Außerdem würde ich sie an Stelle von Onkl und Tante als penetrant aufdringlich empfinden. Chaka muss ja schon fast immer mit der Nase dabei sein, aber Nova ist auf jeden Fall noch näher dran.

Nova ist bei uns jedoch nur „zu Besuch“ wie mir die Tante erklärt hat, denn sie kommt wie Chaka und ich von den Kanarischen Inseln, sie ist - um genau zu sein - ein in Fuerteventura-Hund und soll bei konsequenten, hundeerfahrenen, lieben Menschen nach vielem Hin- und Hergeschiebe ein dauerhaftes Zuhause finden. Wir sind jetzt „Pflegestelle“ hat Frauchen gesagt, und wir müssen ganz genau beobachten wie Nova sich verhält, damit wir den zukünftigen Rudelmitgliedern möglichst viel von ihr erzählen können und sie es leichter hat sich einzugewöhnen.

So, dass musste ich hier alles mal schnell los werden, bestimmt wird Chaka demnächst auch noch ihren Senf dazu geben...

Teil 8

Dieses Mal meldet sich hier die Dosenöffnerin zu Wort, denn es gibt leider nur noch Trauriges zu berichten…

Weihnachten 2008 wurde Psycho von einem Retriever bei einer Kabbelei in die Seite gezwickt. Der dadurch entstandene Bluterguss hat sich verkapselt. Lt. Aussage unseres Tierarztes käme das gelegentlich vor, manchmal würde das Gewebe langsam wieder abgebaut, manchmal bliebe als „kleiner Schönheitsfehler“ halt eine Beule zurück.

Im Urlaub 2009 fing dieser „kleine Schönheitsfehler“ an zu wachsen. Bis zum Tierarzttermin war das Ding groß wie eine Orange. Da kein Gewebewasser vorhanden war, vermutete er einen Tumor. Aufgrund der Größe und der Lage direkt auf dem Rippenbogen, wurden wir dann in eine Tierklinik überwiesen, wo er wegen der umfangreichen Nachsorge 3 Tage bleiben musste. Eine Gewebeprobe hat ergeben, dass es sich um ein Myxosarkom gehandelt hatte.

Psycho hat es in den 3 Tagen geschafft, das ganze Klinikteam um die Pfote zu wickeln, der olle Charmeur ;)

Zuhause ging es ihm relativ schnell wieder gut und nach ein paar Wochen konnte man nur an der unterschiedlichen Fellfärbung erkennen, dass da mal was gewesen sein muss.

Irgendwann fing der alte Herr dann an zu humpeln. Als es nach einer Weile eher schlimmer als besser wurde, war klar, dass er sich nicht nur vertreten haben konnte.

Röntgenaufnahmen von Schultern und Ellenbogen brachten dann eine leichte Arthrose im linken Schultergelenk zu Tage. Weder Schmerzmittel noch Cortison zeigten Wirkung. Dank Grünlippmuschelextrakt und einer Kräutermischung mit Teufelskralle und Weihrauch lief Psycho nach kurzer Zeit wieder klar.

Im Urlaub 2010 mäkelte Psycho beim Fressen noch mehr als sonst. Wir schoben es auf die neu zugemischten Möhrenpellets und Rote-Beete-Chips. Wieder zuhause waren dann in der Umgebung einige Hündinnen läufig, noch ein Grund mehr, warum der Hund nicht frisst….

Als dann jedoch Psycho immer dünner und sein Bauch immer dicker wurde, war klar: DA STIMMT WAS NICHT!

Die Diagnose war niederschmetternd, aber nicht unerwartet: Lebertumor – Ende absehbar. Wobei wir insgeheim gehofft hatten, dass es vielleicht. wieder ein Tumor ist der operiert werden könnte… die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Danach sind noch 4 Wochen mit „Leberwurstdiät“, immer kürzeren aber umso intensiveren Gassirunden und langen Schmusestunden ins Land gezogen, bis wir ihn am 24.06.2010 haben einschläfern und einäschern lassen….

 

Ich bin nicht tot, ich tausche nur die Räume. Ich leb in euch und geh’ durch eure Träume.

(Michelangelo)